Gründungsjahre

Die coop eG schaut auf eine bewegte Geschichte zurück. In unserer zunehmend schnelllebigen Zeit hat eine Einrichtung mit über 100-jähriger Tradition Seltenheitswert bekommen. Ein Grund mehr, auf die Anfänge zurückzublicken und die Stationen Revue passieren zu lassen, die den langen und erfolgreichen Weg zu einem der großen Lebensmittelunternehmen im Einzelhandel markiert haben.

Wie alles begann

Konsumgenossenschaften entstanden im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. In immer größeren Betrieben wurde Material für die neuen Eisenbahnen hergestellt, wurde an mechanischen Webstühlen gewebt und wurden Dampfmaschinen, Kräne und immer größere Schiffe gebaut. Um dem Elend auf dem Land zu entkommen, zogen Arbeitskräfte zu Hunderttausenden in die Städte, wo die Betriebe mit Arbeitsplätzen lockten.

Fortschritt und Verzicht

Für die Ernährung der Menschen hatte dies tief greifende Folgen. Sie wohnten nun in Mietwohnungen und hatten keinen eigenen Garten mehr, um sich ihr Gemüse selbst anzubauen. Die nächsten Bauern waren zu weit weg, um bei ihnen noch frische Milch und Eier und vielleicht eine Wurst zu kaufen. Es entstanden viele kleine Krämerläden und dazu kamen ambulante Händler, die die Versorgung mit Lebensmitteln übernahmen. Aber was für Lebensmittel waren das? Die Frische war dahin. Die Verfälschung der Nahrungsmittel war an der Tagesordnung: Milch wurde mit Wasser verdünnt, Mehl mit Gips versetzt, gemahlener Kaffee mit Sand gestreckt, alter Fisch unter Zuhilfenahme von Rindsblut für frisch verkauft, Nudeln erhielten ihre gelbe Farbe durch Urin, und Schokolade wurde mit Hammel- oder Kalbsfett hergestellt. Hinzu kam der alltägliche Betrug durch falsches Wiegen. Die Kunden konnten diesen Praktiken nicht ohne Weiteres ausweichen. Denn die Unsicherheit der Beschäftigung und der Lohnzahlung führte dazu, dass sie immer wieder beim Krämer anschreiben lassen mussten und so in eine persönliche Abhängigkeit gerieten. Hinzu kam die ständige Sorge um den Verlust der Wohnung, denn gesetzlichen Mieterschutz gab es noch nicht. Schließlich war da auch noch die Unsicherheit am Arbeitsplatz, denn auch ein Kündigungsschutz lag zu jener Zeit noch in weiter Ferne.

Eine Idee wird geboren

Die bedrückenden Lebensumstände führten dazu, dass sich immer wieder Menschen zusammentaten, um gemeinsam günstig in größeren Mengen einzukaufen, um die gekauften Produkte dann an die Mitglieder dieser Initiative zu verteilen. Zunächst waren dies provisorische Einrichtungen. Aber zur Wintersonnenwende 1844, am 21. Dezember, wurde in der englischen Textilstadt Rochdale bei Manchester die erste Konsumgenossenschaft gebildet, die sich als dauerhaft erweisen sollte. Diese Genossenschaft, die »die ehrbaren Pioniere von Rochdale« genannt wurde, gibt es bis heute, wo sie Teil der »Co-operative Group« ist. Diese erste Konsumgenossenschaft formulierte Grundsätze, die bis heute weltweit gültig sind:

  • Lieferung unverfälschter Waren mit vollem Gewicht.
  • Verkauf nur gegen Barzahlung.
  • Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der finanziellen Beteiligung.
  • Jedermann kann der Genossenschaft jederzeit zu den gleichen Bedingungen beitreten, wie die bisherigen Mitglieder.

Auch in Deutschland gab es bald Initiativen zur Gründung von solchen Einrichtungen. Oft gingen sie aus den Organisationen der »Arbeiterverbrüderung« hervor, die während der revolutionären Bewegung des Jahres 1848 auf dem Weg zur Demokratie weite Verbreitung fand.

Die erste dauerhafte Konsumgenossenschaft in Deutschland wurde 1850 im sächsischen Eilenburg von Textilarbeitern und Handwerkern gegründet. 1852 folgte eine Gründung in Hamburg, und der erste Anlauf zur Gründung einer Konsumgenossenschaft in Kiel geschah im Jahre 1861.

600.000 Mitglieder im Jahr 1900

Das Genossenschaftsgesetz von 1889 ist, wenn auch mit zahlreichen Änderungen, bis heute in Kraft. Für die Konsumgenossenschaften hatte es jedoch einen Haken:

Es erlaubte ihnen nur, ihre Waren an ihre Mitglieder zu verkaufen, nicht jedoch an die übrige Bevölkerung. Das schränkte ihre Expansionsmöglichkeiten stark ein. Gleichwohl wurden immer neue Genossenschaften gegründet, denen immer mehr Menschen beitraten. So gab es im Jahre 1900 bereits 600 Konsumgenossenschaften mit mehr als 600.000 Mitgliedern.

Allerdings darf man sich einen frühen konsumgenossenschaftlichen Laden nicht so vorstellen, wie heute ein sky-Markt aussieht. Da nur an Mitglieder verkauft wurde, spielte damals Werbung so gut wie keine Rolle. Dekorierte Schaufenster gab es nicht. Oft waren die von einem »Lagerhalter« geführten und »Verteilungsstellen« genannten Geschäfte in einem Hinterhof und gar im Keller untergebracht.

Der Vorteil waren die niedrigen Kosten, die sich wiederum in günstigen Preisen und vor allem in einer guten Qualität der Waren niederschlug.

Die Vorläufer der modernen Verbraucherzentralen

Zu jener Zeit hatten diese Einrichtungen keineswegs jeden Tag ihren Laden geöffnet. Der Consum-Verein Ulm beispielsweise, eine der Vorläufer-Genossenschaften der heutigen coop eG, machte am 13. Juli 1866 durch eine Anzeige bekannt: »Den Mitgliedern des Vereins wird bekannt gegeben, dass nachstehende Weine in dem Vereinskeller Mohrenapotheke Lit. A 162 gelagert und zu den beigesetzten Preisen je am Mittwoch von 2 – 5 Uhr an Vereinsmitglieder abgegeben werden.« Weiterhin wurde noch bekannt gegeben, »dass die Lieferung von buchenem Holz und von Torf in gutem Gange sind und dass für beide noch Anmeldungen gemacht werden können.« 

An diesem Beispiel wird deutlich, dass die frühen Konsumgenossenschaften mehr waren als nur Lebensmittelläden. Da sie nur für Mitglieder geöffnet waren, waren sie eben auch Treffpunkte der Mitglieder, Informationsbörse, Sparkasse und darüber hinaus Interessensvertretung der Konsumenten.

Denn immer dann, wenn man über die Konsumgenossenschaft etwas günstiger und zu besserer Qualität bekommen konnte, als es im Handel angeboten wurde, dann stieg die Konsumgenossenschaft in dieses Geschäft ein und regelte so den Wettbewerb.

Über viele Jahrzehnte sind die Konsumgenossenschaften praktisch die einzige Interessensvertretung der Konsumenten gewesen, wie sie es in vielen anderen Ländern bis heute sind. So auch in Deutschland, wo von ihnen maßgeblich der Anstoß ausging, die Verbraucherorganisationen zu bilden, die heute Verbraucherzentralen heißen.

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